Ein Einblick in die asiatische Philosophie

Wenn wir Europäer uns mit asiatischer Philosophie und Kampfkunst befassen, wird eines sofort bemerkbar: In Asien stellt man vollkommen andere Ansprüche an sich und an die eigenen Position im Leben als in der Westlichen Welt. Es gilt nicht, wie in Europa weit verbreitet, sich selbst und seine Wünsche in den Vordergrund zu stellen, sondern den Menschen mit der Natur ins Gleichgewicht zu bringen, um die Harmonie zwischen Körper, Geist und Seele zu finden. Durch diese Harmonie soll der Mensch zu mehr persönlicher Freiheit gelangen. Die freie Gestaltung des Geistes und die richtige Lebensweise sollen verwirklicht werden.
Dieses Verhalten spiegelt sich in der Religion und in der Spiritualität der Asiaten wieder und ist in ihrem Leben von Kindesalter an integriert. Asiaten betreiben körperliche und geistige Aktivitäten, die den beschriebenen Gleichgewichtszustand unterstützen. Diese Tätigkeiten sind aber nicht dem Ziel nach ausgerichtet, sondern dem Weg. Deshalb ist der Weg für die meisten Asiaten wichtiger als das Ziel selbst, im Gegensatz zu uns Europäern.

  • Kung-Fu (die Gutgemachte Arbeit)

Im traditionellen chinesischen Sprachgebrauch ist Kung Fu keine Bezeichnung für die Kampfkünste im Speziellen, sondern für jede Fertigkeit, die man sich durch harte Anstrengung erarbeitet und in der man es zu einer gewissen Meisterschaft gebracht hat. Dies kann sich auf die Kampfkünste, aber auch auf jede andere Tätigkeit beziehen.
Der zusammengesetzte Begriff hat in der chinesischen Philosophie eine tiefgehende Interpretation. Das Wort „Kung Fu“ ist aus den Schriftzeichen Gōng (chin. 功, kung „Errungenschaft“) und Fu (chin. 夫 fu „Mensch“) gebildet. Kung Fu ist die Tätigkeit des Menschen, sich durch ständiges Bemühen zu vervollkommnen. Was immer wir auch tun, ist unsere innere Verfassung das, was zum Ausdruck kommt. Wenn wir unser Handeln vervollkommnen, vervollkommnen wir uns selbst.
In diesem Sinne ist Kung Fu die Arbeit an der eigenen Person, durch die konsequente Hingabe an eine Fertigkeit.

  • Tao (Chinesische Philosophie „Weg“, „Straße“, „Pfad“)

Tao heißt wörtlich aus dem Chinesischen übersetzt „Weg“, „Straße“, „Pfad“ und bedeutete in der klassischen Zeit Chinas „Methode“, „Prinzip“, „der rechte Weg“, was dem Wort im Konfuzianismus entspricht. Die Übersetzung nähert nur sehr grob an den abstrakten Gehalt des Wortes im taoistischen Kontext, denn das Tao te King des LaoTse stellte das Tao zum ersten Mal als eine Art von transzendenter höchster Wirklichkeit und Wahrheit dar. Traditionellerweise wird Tao mit „Der Weg“ wiedergegeben.
Die moderne Sinologie erachtet es aber für besser, es als eigenständigen Begriff unübersetzbar zu gebrauchen, da die Inhalte für ein Wort zu umfassend sind.

  • Budo (Militär-Weg, Kreigskunst, Weg des Krieges)

Budō (japanisch 武道, deutsch Militär-Weg, Kriegskunstweg, Weg des Krieges) ist der Oberbegriff für alle japanischen Kampfkünste. Im Gegensatz zu den traditionellen Bujutsu-Kriegskünsten, die außer der Kampftechnik noch eine „innere“ Dō-Lehre oder auch Philosophie beinhaltet. Während Bujutsu der Oberbegriff der reinen Kampftechniklehre ist, die die Effizienz nach außen als Priorität hat, ist das Budō eine auf das Innere des Übenden abzielende Tätigkeit.
Wie in vielen japanischen Künsten liegt im Budō der Sinn eher im „Tun” als im Ergebnis; es ist ein Prozess, dessen Ergebnis offen und oft auch nebensächlich ist. Die Begriffe „Budō“ und „Bushidō“ (Weg des Kriegers) haben auch noch eine übertragene Bedeutung: als Methode zur Selbstverwirklichung und Selbstkontrolle. Die ersten Budō-Systeme sind in der vergleichsweise friedlichen Edo-Periode (1600-1868) entstanden, als die Samurai keine Kriege führen mussten und sie Zeit für das Üben der Kampfkünste hatten.

  • Do` (Japanische Philosophie „Weg“)

Das Do` stellt ein Prinzip zum Erreichen geistiger Klarheit dar, ganz gleich, ob es sich dabei um die Kunst der Kalligraphie, des Reitens oder des Ikebana handelt. Do` bedeutet übersetzt „Weg“, Lehre oder Methode. In ganz Asien wird die Kampfkunst als Weg ausgeübt, um zur Erleuchtung zu gelangen, und um sich selbst und seine Position im Universum zu erkennen. Als Wegkunst vergleichen viele Meister die Ausübung der Kampfkunst mit „kochendem Wasser“, oder mit „Schwimmen gegen den Strom“. Bei beiden Zitaten ist das ständige Tun von enormer Wichtigkeit.
Diese sehr alltagsorientierte Lehre führte zu einer festen Verankerung in den kulturellen Strukturen Ostasiens; beispielsweise gehören in die Etikette des Konfuzianismus, Musik, Mathematik, Bogenschiessen, Reiten und Kalligraphie. Es war nicht selten, dass ein großer Kampkunstmeister eine große Persönlichkeit in der Dichtung oder Kunst war.

 

Sifu Cosimo My