Zwischen Mythos und Fakten – die Geschichte des WingTsun!

„Tritt nicht in die Fußstapfen der alten Meister, aber suche, was sie suchten.“ – Matsuo Bashō

 

Die Geschichte des WingTsun

Die hier dargestellte Geschichte des WingTsun ist grob zusammengefasst und nicht im Detail dargestellt. Wer mehr über die Geschichte des WingTsun erfahren möchte, sei auf die Werke

verwiesen. Diese Werke dienten als Quelle für die unten angeführten Texte. Andere uns verwandte Familien-Stile werden davon abweichende Auffassungen haben und diese auch begründen können. Es sei jedoch angemerkt, dass es bei der Recherche der Bücher keine Denk- und Frage-Tabus gab, denn es war nicht das Ziel, es sich auf den Lorbeeren der sagenumwobenen WingTsun-Vorfahren bequem zu machen, sondern WT weiterzubringen und lebendig zu erhalten.

China vor 300 Jahren

Schlacht-von-Oroi-Jalatu

WingTsun ist eine chinesische Kampfkunst. Ihren Ursprung fand sie vor ca. 300 Jahren in der Ching-Dynastie (1644 – 1911). Um die Geschichte verstehen zu können muss man wissen, wie es zu dieser Zeit in China ausgesehen hat:

China war von den Mandschu besetzt. Die ursprünglichen Chinesen (die so genannten Han-Chinesen) wurden vom Regime unterdrückt und waren in ihrem täglichen Leben stark eingeschränkt. Sie konnten nur gesellschaftlich gering geschätzte Berufe und solche mit schlechter Bezahlung ausüben. Zu dieser Zeit waren viele Chinesen Köche, Ruderer oder Schauspieler.

Um politischen Widerstand zu leisten, formten die Chinesen Geheimgesellschaften. Deren Ziel war es, wieder einen „gelben“ Kaiser (einen chinesischen Kaiser) einzusetzen und die Unterdrückung zu beenden. Die Mitgliedschaft in einer solchen Organisation wurde mit dem Tode bestraft. Für die Mitglieder war es daher wichtig sich eine Tarnidentität aufzubauen und sich notfalls gegen eine Verhaftung zur Wehr setzen zu können. Die Geheimbünde hatten daher alle einen „Sifu“ (Vater-Lehrer), der die Mitglieder in seinem KungFu-Stil unterrichtete.

Die „Nonne“ Ng Mui

Zu ihrem Schutz behaupteten viele Widerstandskämpfer, dass sie aus dem „südlichen Shaolinkloster“ kämen, dessen wirkliche Existenz bis heute nicht bewiesen werden konnte. Auch die Nonne Ng Mui, die demnach gar keine Nonne war, machte von dieser Tarnidentität Gebrauch. Sie war eine versierte KungFu-Meisterin des „Weißen Kranich“-Stils und ein Führungsmitglied der „Hung-Moon“-Geheimgesellschaft. Der Überlieferung zur Folge flüchtete sie aus Fukkien und ließ sich am Fuße des Tai-Leung-Berges in einem Tempel nieder. Vermutlich verdiente sie ihren Lebensunterhalt mit dem Unterrichten ihrer Kampfkunst.

In der Legende wird erzählt, dass Ng Mui zwei Tiere bei einem Kampf beobachtet haben soll und daraus eine neue Kampfkunst erschaffen habe. Die Vermutung liegt nahe, dass sie nicht wirklich einen Kranich und einen Affen miteinander hat kämpfen sehen. Viel wahrscheinlicher ist es, dass ein Schüler des „Weißen Kranich“-Stils sich mit einen anderen Kämpfer des „Luftaffen“-Stils (Ling Lom, eine Urform des Thaiboxen) duellierte und sie daher die Inspiration für ihr neues System schöpfte.

Wing Tsun Kuen

Yim-Wing-Tsun

Das Mädchen Yim Wing Tsun war eine Schülerin von Ng Mui. Sie war die Tochter eines anderen Hung-Moon-Mitglieds und vielleicht ihre einzige weibliche Schülerin. Sie wurde in der noch namenlosen Kampfkunst unterrichtet. Yim Wing Tsun gab diese Kampfkunst an ihren Ehemann Leung Bok Chau weiter.

Der Sohn oder Neffe von Leung Bok Chau war Leung Lan Kwai. Auch er lernte den noch namenlosen Stil. Als er Leung Bok Chau fragte, wie der Name dieses Stils lautet, hat er vermutlich geantwortet: „Das ist Wing Tsun Kuen.“ (Das ist der Fauststil von Wing Tsun).

Dr. Leung Jan – der König des KungFu

Dr. Leung Jan lebte in der Zeit von 1816 bis 1891. Er brachte das WingTsun auf ein neues und höheres Niveau, das es hinterher lange nicht mehr erreichen sollte. Ab seiner Zeit ist die Geschichte unserer Kampfkunst dokumentiert und eindeutig nachvollziehbar. Unter seinen Schülern befanden sich

  • sein Sohn Leung Bik
    Er hat von seinem Vater besonders raffinierte Techniken gelernt und war in die vollständige Theorie des WingTsun eingewiesen worden. Er sollte sich somit gegen den kräftigsten und wildesten Schüler seines Vaters durchsetzen können und somit die Nachfolge seines Vaters als Großmeister des Gesamtstils antreten können.
  • Chan Wah Shun – „der Bulle von Fatshan“
    Er war der o.g. kräftigste Schüler und soll nach dem Tod von Dr. Leung Jan dessen Söhne aus Fatshan vertrieben haben, um sich selbst zum Großmeister zu erklären.

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Großmeister Yip Man

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Großmeister Yip Man war Schüler von Chan Wah Shun. Als er zwecks seines Studiums nach Hongkong zog, lernte er dort zufällig Leung Bik kennen – den vertriebenen Sohn von Großmeister Dr. Leung Jan.

Mit 57 Jahren kehrte Yip Man als Flüchtling vor den Kommunisten nach Hongkong zurück. Er vermochte die Gewerkschaft der Hongkonger Restaurantarbeiter von der Überlegenheit seines WingTsun zu überzeugen. Die Teilnehmer schätzten das WingTsun jedoch nicht ansatzweise so stark wie Yip Man selbst. Er sah nicht ein, weshalb er ihnen für wenig Geld die großen Schätze offenbaren sollte, für die er selbst ein Mehrfaches bezahlt hatte. So unterrichtete er nur unwillig und ohne die pädagogische Absicht, den Schüler zu korrigieren oder ihn besser zu machen. Nur wer seine Lehre zu schätzen wusste, kam in den Genuss seiner Unterweisung und wurde in die dritte Form des WingTsun, die höheren Formen und in die Theorien eingewiesen.

Bruce Lee war der berühmteste Schüler von Großmeister Yip Man.

Großmeister Leung Ting

Leung Ting war der Schüler von Leung Sheung, dem ersten und sehr tüchtigen Schüler Yip Mans. Zwischen Leung Sheung und Yip Man entbrach ein erbitterter Streit. Der Grund möge Eifersüchteleien gewesen sein. Es wird berichtet, dass Yip Man ihm Schüler wegnahm – und nicht zurückgab – mit der Begründung, dass sie besser nur von ihm persönlich lernen sollten. Üble Dinge wurden als Rache gegen Yip Man angestiftet, über die wir hier schweigen wollen, zumal sie auch nicht vollzogen werden konnten.

Als Reaktion darauf rief Yip Man den talentiertesten Schüler von Leung Sheung zu sich und unterrichtete ihn in den höchsten Theorien und Techniken des WingTsun. Dieser Schüler war Leung Ting.

Leung Ting wurde von Yip Man als Nachfolger bestimmt und zum Cheftrainer der „Ving Tsun Athletic Association“ berufen. Nach dem Tod von Yip Man hatte Leung Ting in Hongkong keinen leichten Stand mehr. Um den Streit beizulegen und auch nach außen zu dokumentieren, dass er etwas anderes als der Rest von Yip Mans Schülern machte, schrieb er künftig seinen Stil mit „W“ – WingTsun.

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Großmeister Kernspecht und die EWTO

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Keith R. Kernspecht widmete sich ab der ersten Hälfte der 1970er Jahre dem Wing Chun (WingTsun) von Joseph Cheng. Dieser überstellte ihn im Jahr 1976 zu Großmeister Leung Ting. GM Leung nahm Kernspecht als Schüler an und machte ihn aufgrund seiner Vorkenntnisse zu seinem Vertreter in Deutschland.

Im Jahr 1976 gründete Kernspecht die EWTO, die Europäische WingTsun Organisation.

1982 gründete Kernspecht die WingTsun-Akademie auf Schloss Langenzell bei Heidelberg und schuf den Beruf des „WingTsun-Lehrers“. Das Lehrprogramm zur Berufsausbildung entwickelt er bis heute kontinuierlich weiter. Den Informationsfluss zu den rund 1.600 WingTsun-Schulen gewährleisten eine eigene Verbandszeitschrift, eine eigene Website mit Mitgliedermagazin, regelmäßige Rundschreiben an die Mitglieder, zahlreiche Lehrgangsangebote und die Fachbücher, die Großmeister Kernspecht im eigenen EWTO-Verlag (vormals Wu Shu-Verlag) herausgibt.

Im Jahr 2000 erhielt Grossmeister Kernspecht von Sifu Leung Ting den 10. Meistergrad.

2009 bestand GM Kernspecht dann die höchste und staatliche Prüfung zum sog. „Großen Doktor“, die in Bulgarien von der Funktion her mit der in Deutschland üblichen Habilitation zu vergleichen ist.

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